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Drei Wochen „Big in Japan“

Bereits drei Monate vor Antritt der Reise nach Japan begann das Abenteuer mit insgesamt drei Vorbereitungstreffen an drei Wochenenden. Die ersten beiden dienten dazu, die eigene Delegation, die japanische Kultur und die japanischen Sitten und Bräuche kennen zu lernen. Nach mehrstündigen Präsentationen fühlten wir uns zwar gut vorbereitet, aber unter anderem der Gedanke, selbst beim Sitzen etwas falsch zu machen, machte uns noch nervöser.

Auch das dritte Vorbereitungstreffen diente dem Kennenlernen. Diesmal jedoch der 112 Teilnehmer aus den anderen Bundesländern.

Um die Erfahrungsreise finanziert zu bekommen, steht jedes Jahr unter einem Thema, mit dem sich alle Gruppen auseinandersetzen müssen, damit sie es den japanischen Schülern vermitteln können.

Das diesjährige Thema lautete ,,Inklusion im Sport“ und wurde von unserer Delegation bestehend aus fünf Tänzerinnen, drei Karateka, einem Tischtennisspieler und einer Kanutin in Form eines Tanzes dargestellt, der an Menschen mit Behinderungen angepasst ist.

Gruppenfoto und Leistungteam

Gut vorbereitet und nervös vor dem Kommenden starteten wir Ende Juli mit dem Flugzeug nach Osaka. Dort begannen wir das erste Zentralprogramm mit einem Tag voller Vorträge. Erst am Tag darauf bekamen wir die japanische Kultur in Form eines Besuchs des goldbeschichteten Tempels und eines Schreins von Kyoto zu Gesicht.

Kurz darauf startete jede Delegation in ihr individuelles Regionalprogramm. Für uns war eine Fahrt mit dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, dem Shinkansen in die Präfektur Yamaguchi vorgesehen.

Dort erwarteten uns unsere ersten von insgesamt zwei Gastfamilien. Bei der Willkommensfeier bekamen wir die Gelegenheit, die traditionelle Kunst japanischer Trommler zu bewundern. Auch am weiteren Abend bemühten sich unsere Gastfamilien, uns neue Eindrücke zu ermöglichen, indem wir beispielsweise einen in Japan sehr beliebten Fotoautomaten ausprobierten.

In den weiteren vier Tagen in Yamaguchi lernten wir sehr viel über Japan, die Kultur und vor allem das Essen. Neben dem Herstellen eigener Soba-Nudeln, Falten von Origami-Kranichen und dem Anprobieren eines traditionellen Gewandes, genannt Yukata, versuchten wir uns auch im traditionellen Bogenschießen und besuchten das Sommerfest der Stadt Shimonoseki und das Aquarium. Obwohl unser Programm aufgrund eines Taifuns spontan geändert wurde, hatten wir täglich sehr viel Abwechslung und waren jeden Abend erschöpft.

Lea im Kimono

Nach einem tränenreichen Abschied, aber vielen neuen Erfahrungen im Gepäck fuhren wir diesmal mit dem Bus weiter nach Hiroshima. Nach kleinen Zwischenstopps an den beiden berühmtesten Stadien Hiroshimas und der Atomkuppel wurden wir schon sehnsüchtig von unseren zweiten Gastfamilien erwartet.

Die Reise erschöpfte uns aufgrund der Hitze so sehr, dass wir in den Gastfamilien individuell unseren Abend gestalteten.

In den nächsten Tagen besuchten wir zusammen mit den Gastfamilien den Schrein auf der Insel Miyajima und stellten dort japanische Süßigkeiten mit Bohnenmus her oder trieben Sport mit Grund- und Mittelschülern. Ein Highlight für uns alle war der Besuch des Friedensmuseums und der anschließende Empfang des stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Hiroshima. Dieser hielt uns an, den Gedanken des Friedens in uns aufzunehmen und in die Welt hinaus zu tragen. Das war ein tief bewegender Moment dieses Besuches.

Bevor wir uns dem Jahresthema widmeten, besuchten wir noch einen japanischen Garten, die Burg Hiroshimas und ein Einkaufszentrum mit hauseigener Sportanlage.

Das Jahresthema ,,Integration im Sport“ besprachen wir mit den Mittelschülern der Yasu junior high school. Die geplante Diskussionsrunde mussten wir vorzeitig abbrechen, weil die Schüler das erste Mal mit diesem Thema konfrontiert wurden und ständig der Lehrer das Wort ergriff. Stattdessen bauten wir kleine Stationen auf, die den Schülern näherbringen sollten, wie es ist, mit einer Behinderung Sport zu machen. Dies machte den Schülern so viel Spaß, dass wir die geplante Zeit überschritten, aber niemand die Aktion vorzeitig abbrach.

Nach der Sayōnara-Party hieß es am nächsten Morgen erneut Abschied nehmen. Bevor wir mit dem Bus in die Präfektur Shimane fuhren, wurden mit den Gastfamilien noch letzte Fotos gemacht und endgültig auf Wiedersehen gesagt. In Shimane angekommen, verbrachten wir einige Stunden am Strand, bevor für uns das spontan eingeschobene Programm in einer Jugendherberge begann. Jeder, der bis dato noch kein traditionell japanisches Bad, den Onsen besucht hatte, konnte sich nun im hauseigenen Onsen entspannen, bevor es für uns wieder hieß, auf Tatamimatten auf dem Boden zu schlafen.

Der nächste Tag begann für uns alle mit einem Frühstück bestehend aus Reis und Nori-Blättern. Es folgte ein erlebnisreicher Tag, welcher mit dem Herstellen von japanischem Papier begann und danach eine zweistündige Schneeballschlacht mit Grund-, Mittel- und Oberschülern vorsah. Vollkommen erschöpft fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft und begannen die Koffer für die am nächsten Tag folgende Abreise zu packen.

Erneut mit Reis gestärkt fuhren wir spontan ins Aquarium und sahen uns eine Beluga-Show an, bevor wir mit dem Flugzeug vor allen anderen Delegationen nach Tokio flogen.

Tokyo

Die ersten beiden Tage in der Millionen-Metropole verbrachten wir, indem wir uns das Rathaus, Tempel, Schreine und die Statur des „Great Buddha“ ansahen und abends auf eigene Faust beispielsweise den Hachikō Square und verschiedene Stadtteile Tokios erkundeten.

Nachdem am Vortag alle Delegationen in der Hauptstadt Japans angekommen waren, stand uns unser letzter Tag frei zur Verfügung. Es stellte sich heraus, dass der überwiegende Teil der 122 Teilnehmer den Tag damit verbrachte, ein letztes Mal Souvenirs und japanische Süßigkeiten zu kaufen.

Am nächsten Tag waren viele froh, endlich wieder nach Hause zu fliegen. Andere hingegen vermissten bereits vor dem Abflug schon die japanische Kultur, Mentalität und teilweise auch das sehr fischlastige Essen.

Zurückblickend kann ich sagen, dass das Land Japan nicht nur Manga und Matcha ist. Das Leben in den Gastfamilien erfüllte zwar einige Klischees wie das beliebte Falten von Origami Kranichen oder das Tragen von Kimonos zu besonderen Anlässen, aber ich habe viele neue Eindrücke gesammelt. Der Gedanke des Friedens ist nicht nur in Hiroshima, sondern in ganz Japan spürbar. Zunächst ungewohnt war für mich die selbstverständliche Höflichkeit in allen Situationen. Bereits im Voraus erfuhr ich, dass das japanische Wort für „Nein“ so gut wie nie verwendet wird. In den drei Wochen in Japan wurden wir nicht ein einziges Mal zurückgewiesen, sondern überall wo wir hinkamen freudig empfangen und teilweise auch bestaunt. Zurück in Deutschland vermisse ich am meisten diese Höflichkeit, denn bereits am Flughafen in Frankfurt bekamen wir den groben Umgang unseres Heimatlandes wieder zu spüren.

Lea Neumann

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